Sozialpädagogisches Clearing
Orientierung in schwierigen Familiensituationen
Das Sozialpädagogische Clearing ist ein zeitlich befristetes Angebot der Hilfen zur Erziehung nach dem SGB VIII. Es kommt dann zum Einsatz, wenn zwar ein Hilfebedarf vorliegt, aber noch unklar ist, welche Unterstützung die Familie wirklich benötigt. Innerhalb weniger Wochen wird die familiäre Situation umfassend betrachtet, um Ressourcen und Belastungen sichtbar zu machen und eine fundierte Empfehlung für die weitere Hilfe zu entwickeln.
Clearing bietet Familien die Chance, sich verstanden und ernst genommen zu fühlen, während gleichzeitig eine fachliche Einschätzung entsteht, die dem Jugendamt Orientierung für die nächsten Schritte gibt.

Was bedeutet Sozialpädagogisches Clearing?
„Clearing“ heißt im Kern Klärung. Das bedeutet: Gemeinsam mit der Familie wird die aktuelle Lebenssituation genau angeschaut. Welche Schwierigkeiten bestehen? Wo liegen Ursachen? Welche Stärken und Ressourcen gibt es bereits? Und welche Unterstützung passt am besten?
Das Clearing-Team versteht sich dabei sowohl als fachlich-sachlicher Beobachter als auch als Beziehungspartner. Auf der einen Seite braucht es den nüchternen Blick von außen, auf der anderen Seite entsteht im Prozess eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung. Beides zusammen ermöglicht eine Einschätzung, die sowohl realistisch als auch von der Familie mitgetragen wird.
Ein Clearing dauert in der Regel zwischen 6 und 12 Wochen. Es endet mit einer klaren Empfehlung, welche Hilfeform für die Familie sinnvoll ist – sei es eine Familienhilfe, ein Erziehungsbeistand, eine intensive Einzelbetreuung oder eine andere Form der Jugendhilfe.
Für wen ist Clearing gedacht?
Clearing richtet sich an Familien, die sich in einer unklaren oder krisenhaften Situation befinden. Typisch sind zwei Ausgangslagen:
Familien, die dem Jugendamt erstmals bekannt werden: Hier braucht es eine umfassende Bestandsaufnahme, um zu entscheiden, welche Hilfe angebracht ist.
Familien, die bereits Unterstützung erhalten haben: Wenn bisherige Maßnahmen nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben, kann Clearing helfen, neue Perspektiven und Lösungen zu entwickeln.
Clearing kann also sowohl beim ersten Kontakt mit dem Jugendamt als auch in komplexeren, länger bestehenden Hilfeprozessen sinnvoll sein.
Gesetzlicher Rahmen
Das ambulante Clearing ist im System der Hilfen zur Erziehung nach dem SGB VIII verankert. Auftraggeber ist in der Regel das Jugendamt, das gemeinsam mit der Familie und dem freien Träger den Prozess beauftragt.
Ziel ist es, innerhalb kurzer Zeit eine fachlich fundierte Einschätzung zu gewinnen. Die Ergebnisse werden dokumentiert und bilden die Grundlage für den weiteren Hilfeplan. Dabei spielen sowohl fachliche Beobachtungen als auch die Sicht der Familie eine Rolle.
Ablauf des Clearings
Der Clearingprozess ist klar strukturiert, bleibt aber flexibel, um auf die individuelle Situation der Familie einzugehen.
01
Auftragsklärung
Zu Beginn gibt es ein Gespräch mit dem Jugendamt und der Familie. Dabei werden die Ziele der Maßnahme festgelegt und die Dauer von meist sechs bis zwölf Wochen vereinbart.
02
Erstgespräch & Situationsanalyse
In einem umfassenden Erstgespräch werden relevante Daten und Hintergründe aufgenommen. Ziel ist es, die aktuelle Lebenslage und Familiendynamik zu erfassen und klare Absprachen mit allen Beteiligten zu treffen.
03
Beobachtungen & Methodeneinsatz
Die Fachkräfte führen Hausbesuche und Gespräche durch, beobachten Interaktionen und analysieren Kommunikationsmuster und Bindungen. Auch das Umfeld wie Kita, Schule oder soziales Netzwerk wird in den Prozess einbezogen.
04
Ressourcenarbeit
Parallel werden vorhandene Stärken sichtbar gemacht und neue Kommunikations- und Verhaltensformen entwickelt. Dieser Schritt fördert zudem die Selbstreflexion und stärkt die Eigenwahrnehmung der Familie.
05
Auswertung & Perspektivplanung
Zum Abschluss wird ein ausführlicher Bericht erstellt, der Risiken, Potenziale und Ressourcen darstellt. In einem gemeinsamen Gespräch mit Jugendamt und Familie werden die Ergebnisse besprochen und konkrete Empfehlungen für die passende Anschlussmaßnahme gegeben.
Methoden & Instrumente
Um sich ein umfassendes Bild zu machen, nutzt das Clearing-Team unterschiedliche Instrumente:
Familienanamnese und biografische Interviews
Analyse von Ursache und Wirkung auffälliger Verhaltensweisen
Interaktions- und Kommunikationsbeobachtungen
Genogrammarbeit, Familienbrett, biographischer Zeitbalken
Ressourcen- und Netzwerkanalyse
Umfeldarbeit mit Schule, Kita oder Ärzten
Arbeit mit dem Kinderschutzbogen
Begleitung bei der Entwicklung neuer Kommunikations- und Verhaltensformen
Diese Methoden verbinden fachliche Präzision mit pädagogischer Beziehungsgestaltung. Wichtig ist, dass die Familie in den Prozess einbezogen wird und die Ergebnisse gemeinsam getragen werden können.
“Die Clearingarbeit ist für mich wie ein detektivischer Blick in das Familiensystem. Innerhalb kurzer Zeit müssen wir verstehen, was los ist, Vertrauen aufbauen und gemeinsam neue Wege sichtbar machen.”
Eine Sozialarbeiterin bei Meilenstein
Wirkung und Nutzen
Am Ende des Clearings steht mehr Klarheit:
Die Familie weiß, wie ihre Situation eingeschätzt wird.
Das Jugendamt erhält eine fachliche Grundlage für den nächsten Hilfeplan.
Alle Beteiligten haben ein besseres Bild von Stärken, Risiken und Bedarfen.
Familien profitieren davon, dass sie sich gesehen und ernst genommen fühlen. Fachkräfte gewinnen Handlungssicherheit, und Kinder bekommen schneller die Unterstützung, die sie wirklich brauchen.
Besonderheiten in Berlin
In Berlin wird Clearing häufig eingesetzt, um schnell auf Anfragen zu reagieren. Unsere Teams arbeiten aufsuchend in den Familien und sind auch in akuten Situationen kurzfristig verfügbar.
Durch unsere Arbeit in Bezirken wie Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg-Hohenschönhausen kennen wir die Vielfalt der Familien und die spezifischen Herausforderungen vor Ort. Multikulturelle Lebenswelten, unterschiedliche Wohn- und Bildungssituationen sowie enge Zusammenarbeit mit den Jugendämtern prägen die tägliche Clearing-Arbeit.
